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FDP-Stadträte stellen Anfrage zu klimabedingten Mehrkosten der StUB

Das jüngste Schadensereignis im Straßenbahnnetz der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) wirft fundamentale Fragen bezüglich der technischen Resilienz und der ökonomischen Risiken moderner Schieneninfrastruktur auf.

Die Anfrage im Wortlaut:

Anfrage zu klimabedingten Mehr- und Folgekosten der StUB                         10.07.2026

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

das jüngste Schadensereignis im Straßenbahnnetz der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) wirft fundamentale Fragen bezüglich der technischen Resilienz und der ökonomischen Risiken moderner Schieneninfrastruktur auf. Ein extremes Sommerereignis führte in Nürnberg durch das großflächige Schmelzen der Bitumen-Vergussmasse zu einem sofortigen, mehrtägigen Systemkollaps des gesamten Tram-Netzes, der erhebliche, unvorhergesehene Schadens- und Folgekosten nach sich zieht.

Für die Stadt Erlangen ergibt sich aus diesem Vorfall eine veränderte Risikolage. Auf der einen Seite steht die Kommune weiterhin unter dem Diktat der Haushaltskonsolidierung, die bereits schmerzhafte Einschnitte im städtischen Leben erfordert; auf der anderen Seite ist sie an ein Schienenprojekt von historischen Ausmaßen gebunden, das nun weitere finanzielle Unwägbarkeiten bergen könnte.

Somit zwingt das Nürnberger Schadensereignis zu einer sachlichen Überprüfung der Planungsprämissen, um den Erhalt der verbliebenen städtischen Handlungsfähigkeit nicht weiter zu gefährden.

Wir bitten daher um die schriftliche Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welche unmittelbaren Erkenntnisse zieht der Zweckverband der StUB aus dem Schadensereignis im Nürnberger Bestandsnetz?
  2. Wie wird sichergestellt, dass bei der Streckenführung auf dem Stadtgebiet von Erlangen ein solch großflächiger Schaden ausgeschlossen bzw. in seiner Schadenshöhe gemindert werden kann?
  3. a) Erfordert die bauliche Anpassung an extreme Hitzeereignisse – beispielsweise durch temperaturresistentere Spezialstoffe – eine Revision der bisherigen Kostenschätzungen für das Gesamtprojekt? 
    b) Wenn ja, mit welchen Mehrbelastungen für den städtischen Anteil ist zu rechnen?
  4. Sind die für einen klimaresistenten Ausbau der StUB eventuell notwendigen technischen Mehrkosten durch die bestehenden Förderzusagen von Bund und Freistaat Bayern gedeckt, oder trägt die Stadt Erlangen das Risiko von Planungsänderungen und Materialwechseln nach derzeitigem Stand zu 100 % aus eigenen Mitteln?
  5. a) Wie stellt sich das finanzielle Risikomanagement im Falle klimabedingter Netzausfälle dar? 
    b) Wer trägt gemäß den vertraglichen Vereinbarungen des Zweckverbandes die Kosten für akute Schienenreparaturen?
    c) Wer trägt gemäß den vertraglichen Vereinbarungen des Zweckverbandes die Kosten für den logistisch aufwendigen Schienenersatzverkehr auf Erlanger Stadtgebiet, falls das System analog zum Nürnberger Vorfall temporär kapituliert?
  6. Verfügt die Stadt Erlangen oder der Zweckverband über entsprechende Versicherungspolicen gegen elementare Infrastrukturschäden dieser Dimension, oder müssen angesichts der geänderten Klimarisiken signifikant höhere Rückstellungen im städtischen Etat gebildet werden, die den Haushaltsspielraum weiter verengen?
  7. Die Schadensdimensionen vergleichbarer Vorfälle, wie in Karlsruhe oder aktuell in Nürnberg, bewegen sich im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich[1]. Wie bewertet die Stadtverwaltung die Durchführbarkeit des laufenden Konsolidierungskonzepts für den Fall, dass Erlangen im Zuge des StUB-Baus oder -Betriebs mit unvorhersehbaren Infrastruktur-Folgeschäden konfrontiert wird?
  8. Welche bereits im Konsolidierungskonzept zeitlich nach hinten verlagerten Pflichtaufgaben der städtischen Daseinsvorsorge, wie Sanierungsmaßnahmen an Schulen und Brücken, müssten im Falle unvorhergesehener StUB-Mehrkosten noch weiter aufgeschoben werden?

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Holger Schulze                                       Michael Székely
FDP-Stadtrat                                                            FDP-Stadtrat


 

[1] Artikel der Nürnberger Nachrichten vom 8. Juli 2026; „Die Nürnberger Bitumen-Kernschmelze“